Tschüss Leica M11 - Man muss auch das Scheitern zulassen
Manchmal muss man sich eingestehen, dass etwas nicht funktioniert hat.
Nicht, weil es schlecht war. Nicht, weil man enttäuscht wurde. Und auch nicht, weil die Begeisterung verschwunden ist.
Sondern einfach, weil die Vorstellung und die Realität am Ende nicht zusammenpassen.
Nach ungefähr 18 Monaten trenne ich mich von meinem kompletten Leica-M-System.
Und tatsächlich fällt mir diese Entscheidung schwerer, als ich gedacht hätte. Denn ich finde diese Kamera noch immer wunderschön. Vielleicht sogar mehr als am ersten Tag. Ich liebe die Reduziertheit des M-Systems. Das Design. Die Haptik. Diesen vollkommen anderen Umgang mit Fotografie. Kein Autofokus, der einem die Entscheidung abnimmt. Keine endlosen Funktionen, die zwischen mir und dem Bild stehen. Stattdessen Entfernung einstellen, Blende wählen, Ausschnitt suchen und fotografieren.
Als Berufsfotograf verbringe ich einen großen Teil meiner Zeit mit Kameras, bei denen am Ende vor allem eines zählt: Das Ergebnis muss stimmen. Bei einem Auftrag weiß ich meistens ziemlich genau, welches Bild ich brauche. Technik muss dabei zuverlässig funktionieren, schnell sein und sich möglichst wenig in den Vordergrund drängen.Die Leica M sollte für mich der Gegenentwurf dazu sein.
Eine Kamera für freie Arbeiten. Für eigene Projekte. Für Fotografie ohne Kundenbriefing, Abgabetermin und Verwendungszweck. Ich wollte mit ihr wieder bewusster fotografieren, langsamer werden und mir fotografische Themen suchen, die nur für mich entstehen. Die Idee fand ich großartig, nur hat sie in meinem Alltag nicht funktioniert. Die freien Projekte, die ich mit der M11 umsetzen wollte, brauchen vor allem etwas, das sich nicht kaufen lässt: Zeit.
Und genau diese Zeit habe ich mir in den vergangenen anderthalb Jahren viel zu selten genommen. Natürlich habe ich trotzdem mit der Leica fotografiert. Im Urlaub. Bei Spaziergängen. Unterwegs mit der Familie. Immer dann, wenn ich die Kamera einfach mitgenommen habe und vorher noch gar nicht wusste, welches Bild am Ende entstehen würde.
Und vielleicht liegt genau darin die Ironie. Denn in diesen Situationen hat mir die M11 unglaublich viel Freude gemacht. Aber dafür hatte ich sie ursprünglich nicht gekauft. Und genau an diesem Punkt kommt eine andere Leica ins Spiel. Bereits etwa ein Jahr vor der M11 hatte ich mir eine Leica Q3 gekauft. Und die Q3 wird bleiben. Denn sie hat ihren Platz in meiner Fotografie gefunden.
Sie ist die Kamera, die ich mitnehme, wenn ich nicht genau weiß, was ich fotografieren werde. Im Urlaub, bei einem Spaziergang, unterwegs mit der Familie oder einfach dann, wenn ich Lust habe, eine Kamera dabeizuhaben. Sie gibt mir vieles von dem, was ich an Leica mag: Reduktion, ein tolles Design, eine besondere Haptik und vor allem Freude am Fotografieren.
Gleichzeitig ist sie unkompliziert genug, um einfach dabei zu sein. Vielleicht hat mir gerade der direkte Vergleich gezeigt, dass ich nicht zwingend ein ganzes Kamerasystem brauche, um diese Form der Fotografie für mich zu behalten.
Aber vielleicht gehört zu einer guten Entscheidung manchmal auch dazu, eine ursprüngliche Idee loszulassen. Und vielleicht muss man eben auch das Scheitern zulassen. Wobei „Scheitern“ wahrscheinlich sogar das falsche Wort ist.
Denn die vergangenen 18 Monate mit der Leica M11 waren keine schlechte Erfahrung. Im Gegenteil. Ich habe verstanden, warum Menschen dieses Kamerasystem lieben. Ich verstehe die Faszination Leica M heute wahrscheinlich besser als vorher. Ich habe aber auch etwas über meine eigene Fotografie gelernt.
So sehr mich die Langsamkeit und Reduktion faszinieren: In meinem beruflichen Alltag brauche ich andere Werkzeuge. Und für die Fotografie ohne konkreten Auftrag, ohne geplantes Ergebnis und ohne großes Projekt habe ich mit der Q3 bereits eine Kamera, die genau diese Lücke für mich schließt.
Deshalb geht das M-System jetzt. Die Leica M11 geht. Das Voigtländer 35 mm f/1.4 geht. Das 50 mm Summilux und das 90 mm Summicron ebenfalls.
Die Q3 bleibt. Und irgendwie fühlt sich genau das richtig an. Vielleicht ist das letztlich eine der Erkenntnisse, die nicht nur für Fotografie gelten: Nicht jede gute Idee muss dauerhaft funktionieren. Nicht jede Begeisterung muss zu einer langfristigen Entscheidung werden. Und nicht alles, was man loslässt, war deshalb ein Fehler.
Manchmal darf man etwas ausprobieren, lieben und trotzdem feststellen, dass es nicht ins eigene Leben passt. Die Leica M ist für mich weiterhin eine der schönsten Arten zu fotografieren.
Aber manchmal reicht es auch, etwas wunderschön zu finden, ohne es besitzen zu müssen.cite author






















































